Der Bürgerverein zu Besuch bei den Bremer Stadtmusikanten

von einem Mitfahrerteam

 

Bilder Th. Gielow und G. Haushalter 

 

 

 

Schon wenige Tage nach der Ankündigung war sie ausgebucht, die Dreitagesfahrt nach Bremen. So starteten 44 Mitglieder/innen aus dem Verein am 5.9.2017 unter der sachkundigen Führung von Gert Haushalter per Bus zum Besuch unserer Hanse-Schwesterstadt.

 

Schon bei der Einfahrt in die Stadt Bremen erinnerte Haushalter daran, dass Bremen (mit Bremerhaven) nicht nur als Schifffahrts- und Handelsstadt schon immer eine Rolle gespielt hat, sondern auch seit Gründung der Flugzeugindustrie bis heute führend ist in der internationalen Luft- und Raumfahrt.

Unser erstes Ziel war die heimliche Hauptstraße der Stadt – die Böttcherstraße. Dort lauschten wir um 12  Uhr den Klängen des berühmten Glockenspieles aus Meißener Porzellan und schauten dabei auf ein sich drehendes Turmelement, auf dem nacheinander zehn geschnitzte Holztafeln zu sehen waren auf denen an berühmte Ozeanbezwinger erinnert wird, z. B. an Christoph Columbus, Hugo Eckener, Charles Lindbergh und die Flugzeugbesatzung der „Bremen“ um Hermann Köhl, die 1928 in dem Flugzeug erstmals den Atlantik nonstop von Ost nach West (gegen den Wind) überquert hat.

 

Man betritt die ca. 100 Meter lange Böttcherstraße durch ein großes goldenes Fassadenrelief, den Lichtbringer, das der Worpsweder Künstler Bernhard Hoetger Ende der Dreißigerjahre geschaffen hat.   

Hoetger hat auch die Straße selbst nach den Wünschen des Bremer Kaffeekaufmanns und Mäzen Ludwig Roselius gestaltet. Am meisten beeindruckt hat uns die gelungene Zusammenführung von alter Architektur und moderner Kunst.

Nach der Mittagspause trafen wir uns alle wieder am Roland auf dem Marktplatz zur Besichtigung des altehrwürdigen Rathauses, das seit  2004 gemeinsam mit dem Roland von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden ist.

Die obere Rathaushalle mit seinen von der Eichendecke hängenden Modellsegelschiffen und die Güldenkammer, ein von dem Worpsweder Künstler Heinrich Vogeler gestalteter Empfangsraum mit goldenen Tapeten, haben uns ebenfalls sehr beeindruckt.

Danach ging es in den berühmten Ratskeller. Er hält das größte Angebot deutscher Weine für seine Gäste bereit. In seiner Schatzkammer, dem Rosekeller, lagert noch eine genießbare Rüdesheimer Spätlese aus dem Jahr 1653. Ein Schluck von ihm würde mehr als 1.000 Euro kosten, wenn man ihn überhaupt angeboten bekäme. Das ist dem Bürgermeister der Stadt vorbehalten. Königin Elisabeth II. wurde die Ehre anlässlich eines Besuches in Bremen zuteil. In der großen Säulenhalle saßen wir nach der Führung noch eine Weile gemütlich beisammen und tranken einen Schoppen des edlen Rebensaftes. Wir erfuhren, dass es schon eine Auszeichnung ist, wenn ein deutscher Wein es schafft, über den Bremer Ratskeller weltweit verkauft zu werden.

Nach dem Einchecken im Hotel ganz in der Nähe des Marktplatzes bildete das Abendessen auf dem alten Segler „Alexander von Humboldt“ – der mit den grünen Segeln, bekannt aus dem Fernsehen – den letzten Höhepunkt des ersten Tages. Ein ehemaliger Kapitän des Schiffes erzählte so manches über die Geschichte des Seglers, über das Leben an Bord und den erzieherischen Wert der Seefahrt. 

 

Am zweiten Tag setzten wir unseren Rundgang durch Bremens „gute Stube“ fort, wobei uns unser „Bremer Jung“ Gert mit manchen Döntjes zur Stadtgeschichte erfreute. Er berichtete u.a. von Gesche Gottfried, die als mehrfache Giftmörderin 1831 auf dem Domshof hingerichtet wurde. Für sie wurde ein Spuckstein in den Boden eingelassen auf den Urbremer – sog. Tagenbaren – heute noch spucken. Er schilderte das Domtreppenfegen – ein Ritual, das vom Freundeskreis für dreißigjährige unverheiratete Bremer ausgerichtet wird. Die müssen solange ausgestreute Holzspäne von den Domtreppen fegen, bis sie von einer unverheirateten Freundin freigeküsst werden. Einige Teilnehmer statteten auch den aus Bronze verewigten Bremer Stadtmusikanten neben dem Rathaus eine beidhändige Begrüßung an den Vorderläufen ab. Sie soll Glück bringen.

 

Als wir dann nach einem kurzen Aufenthalt im Bibelgarten den Dom auch von innen auf uns wirken lassen wollten, hatten wir noch das Glück, eine Chorprobe mitzubekommen und gewannen so auch einen Eindruck von der schönen Akustik im Dom. 

Anschließend gingen wir in das Schnoorviertel, ein Stadtteil, in dem die alten Giebelhäuser wie an einer Schnur (Schnoor) beidseitig an einer schmalen Kopfstein-Pflasterstraße nebeneinander stehen. Alles wirkt als wären die Häuser noch original aus dem Mittelalter, aber auch hier – wie am Marktplatz und in der Böttcherstraße – verdanken wir das Ensemble dem Wiederaufbau und der Restauration nach dem Zweiten Weltkrieg. Der zwischendurch immer mal wieder einsetzende Regen konnte unsere Begeisterung kaum trüben, verleitete aber den einen oder anderen zum Stöbern in den vielen kleinen Läden. Den Nachmittag verbrachte dann jeder nach seinem Geschmack: einige auf dem Wasser, einige in der in Bremen noch fahrenden Straßenbahn, aber sicher alle mit offenen Augen in dieser wirklich sehenswerten, liebevoll restaurierten Stadt. Beim gemeinsamen Abendessen im Hotel gab es jedenfalls viel zu erzählen.

 

Am letzten Tag erwartete uns vormittags das Airbus Defence & Space Raumfahrtzentrum. Von Sicherheitskräften bewacht durften wir durch eine Glaswand einen Blick in die „heilige“ Halle werfen, in der einige Techniker in Schutzkleidung unterLaborbedingungen an Raketenteilen für eine Ariane-Mission arbeiteten. Fotografieren war streng verboten. Wir erfuhren, dass hier Trägerraketen, Weltraumlabore, Versorgungsfahrzeuge und andere für die internationale Raumfahrt wichtige Gegenstände entwickelt und hergestellt werden. Ein nachgebautes – für die Besucher geteiltes – Modell der  Columbus Kapsel, das sich in der Ausstellungshalle befindet, durften wir betreten und konnten ein wenig nachempfinden, wie die Astronauten an Bord leben. Darüber hinaus erhielten wir verblüffende Informationen über Raumfahrttechnik. Wer kennt schon die  Startgeschwindigkeit der Rakete, um der Erdanziehung zu entkommen? 30.000 km/h! Wieviel PS sind erforderlich, um die Rakete mit ihrem Startgewicht von 800 Tonnen dazu anzutreiben? 30.000.000 PS! Und weshalb ist es günstig, dass der europäische Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana liegt? Die Geschwindigkeit der Erdumdrehung in der Nähe des Äquators kommt der Startgeschwindigkeit der Raketen zugute. Dieses und noch viel mehr wurde kompetent und verständlich moderiert. Leider ist das Reisebüro für künftige Marsflüge noch geschlossen, aber wohl nicht mehr lange.

Nach der Raumfahrt dann die Heimfahrt.

 

Beim letzten gemeinsamen Mittagessen in „Vessens Hoff“ an der B 75 haben wir uns einzeln umgehört:

Aus dem von Ehepaar Haushalter liebevoll zusammengestellten Programm hat besonders gut gefallen:

 

  • es war wieder einmal toll!!
  • das wunderschöne Rathaus
  • der Gang durch den Ratsweinkeller
  • der Abend im „Spitzen Giebel“, einer kleinen Kneipe mit einer besonders plietschen Kellnerin
  • das Entern der „Alex“ und die Döntjes des Kapitäns i. R. 
  • das Gesamtbild um den Marktplatz
  • Schnoor und Böttcherstraße
  • die zauberhaften verschiedenen Häuser im Schnoor
  • die gemütliche Atmosphäre im Amtsfischerhaus, wo wir mit unangemeldeten 44 Personen freundlich bedient wurden.
  • der Gesang im Bremer Dom
  • der Bleikeller
  • die Stadtführung von Gert Haushalter war das Beste. Seine humorvollen Ausführungen und Kenntnisse seiner Heimatstadt werden mir immer im Gedächtnis bleiben
  • mir hat das Raumfahrtzentrum am stärksten imponiert
  • die Besichtigung der Raumkapsel
  • wir haben uns als Neuhamburger sehr gut in der Gruppe aufgenommen gefühlt und sehr viel Spaß gehabt. Besonders gut haben uns die Besichtigung des Rathauses und  die Besichtigung des Raumfahrtzentrums gefallen.
  • der Besuch bei der ESA war ein echter Höhepunkt der Reise. Er war nicht nur informativ, sondern ermöglichte auch einen bemerkenswerten Blick in die Zukunft.

 

Von der 3-Tagesfahrt ist ein Video von 26 Minuten Länge auf DVD erhältlich.

Interessenten können sich telefonisch unter 040-648 914 22 (AB) oder per E-Mail an info@bv-oldenfelde.de melden.

 

Fotogalerie

Fotos: Bürgerverein Oldenfelde e.V.